.: die des weges   
   weg zwischen meeren

"Die des Weges" war zur Zeit der Apostel eine Bezeichnung für die an Jesus Christus Glaubenden

Apostelgeschichte 9,2;  19,9.23;  22,4;  24,14.22


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Dies ist das ewige Leben
ChB

Gemeinschaft mit göttlichen Personen (1. Johannes 1,1)

Das Wort des Lebens

Es gab unter den so genannten "Gnostikern" eine von Cerinthus, einem alexandrinischen Juden, angeführte Richtung, die behauptete, dass der Christus der göttliche Geist sei. Erst nach der Taufe sei Er auf Jesus herniedergestiegen und habe von Ihm Besitz ergriffen wärend Seines ganzen Lebens, sei aber von Ihm gewichen, als Er am Kreuz hing. Dies war eine der vielen Formen böser Lehre, die unter dem Ausdruck "Gnostizismus" zusammengefasst wird. Sie trug einen stark intellektuellen Charakter, wobei in diesem System auch Magie und selbst Unsittlichkeit eine traurige Rolle spielten. Auch heute gibt es innerhalb der Christenheit Menschen, die in der einen oder anderen Form dasselbe sagen: dass Jesus nur der nat?liche Sohn von Joseph und Maria und dass Christus ein Geist sei, der von Ihm Besitz ergriff. Dies ist beispielsweise die Grundlehre der so genannten >Christlichen Wissenschaft<.

Eine andere Richtung unter den Gnostikern leugnete die Wirklichkeit der Menschheit Jesu. Diese Irrlehrer verneinten, dass Er einen menschlichen Köper gehabt habe. Für sie war alles Böse mit dem Stofflichen, mit der Materie verbunden, und es war für sie undenkbar, dass die Gottheit je herabsteigen könnte, um in einer stofflichen Hütte zu wohnen. Für sie war Jesus nur ein Phantom, gleichsam dünne Luft, die man nicht greifen konnte - eine Ausstrahlung Gottes, mehr nicht.

In seinen Briefen begegnet Johannes beiden Irrlehren, ohne sie allerdings direkt zu nennen oder näher zu beschreiben. Dem zuletzt genannten Irrtum tritt er zuerst entgegen, wenn er fortfährt:

„ .. was wir gehört, was wir mit unseren Augen gesehen, was wir angeschaut und unsere Hände betastet haben, betreffend das Wort des Lebens" (Vers 1).

Noch immer sagt er: „was", nicht: „wer", weil er vom >Wort des Lebens< spricht. Das ist natürlich Christus, aber er nennt Ihn noch nicht persönlich. Es geht dem Schreiber darum, zu zeigen, was in Ihm offenbart wurde, als Er hier war. Er war das >Wort des Lebens<, das heißt, Er gab dem göttlichen Leben völlig Ausdruck. Wunderbare Tatsache! Wenn wir wissen wollen, was ewiges Leben in all seiner Vollkommenheit, in all seiner Reinheit ist, müssen wir den Herrn Jesus anschauen, müssen wir Sein Leben hier auf der Erde betrachten, wie die Evangelien es uns schildern. Das ist es, was Johannes mit >Wort des Lebens< meint.

Es ist wahr: Mit den Eingangsworten des ersten Verses gibt der Schreiber den Inhalt seines Briefes an. Aber nichtsdestoweniger drückt er darin auch einen Fortschritt in der Erfahrung aus, den sie, die Apostel, im Blick auf Christus erlebt hatten. Was er hier schildert, ist eine sich vertiefende Vertrautheit mit dieser göttlichen Person. Und so bringt jeder der verwendeten Ausdrücke den Herrn Jesus näher zu uns.

Er beginnt mit dem, was sie gehört hatten. Doch es war nicht nur eine entfernte Stimme gewesen. Man mag ja eine Person von weitem hören, ohne sie auch sehen zu können; sie aber waren dem >Wort des Lebens< so nahe gekommen, dass er hinzufügen kann: „... was wir mit unseren Augen gesehen haben." Doch man mag eine Person sehen, ohne ihr nahe genug zu sein, um sie auch genauer anschauen und betrachten zu können; sie aber waren dem >Wort des Lebens< so nahe gekommen, dass er hinzufügen kann: „... was wir angeschaut haben." Sie hatten Ihn aus nächster Nähe anschauen können. Aber man mag eine Person aus nächster Nähe beobachten, ohne sie auch berühren zu können; sie aber waren dem >Wort des Lebens< so nahe gekommen, dass er hinzufügen kann: „... was unsere Hände betastet haben."

In der Tat, Johannes und die übrigen Apostel hatten Christus, das Wort des Lebens, aufs Innigste gekannt. Er war nicht wie „dünne Luft" bei ihnen gewesen, die man nicht fassen kann, nicht nur eine vorübergehende Vision, sondern ein Mensch von Fleisch und Blut. Sie hatten sich nicht getäuscht.

Hatte nicht der Schreiber in jener letzten, denkwürdigen Nacht selbst zu Tisch im Schoß Jesu gelegen und sich an Seine Brust gelehnt und gefragt: „Herr, wer ist es, der dich überliefert?" (Joh 13,23; 21,20)? Und nachdem der Heiland auferstanden war - war Er nicht noch am Abend desselben Tages in die Mitte der in Jerusalem versammelten Jünger getreten und hatte sie, weil sie sich fürchteten, aufgefordert: „Seht meine Hände und meine Füße, dass ich es selbst bin; betastet mich und seht, denn ein Geist hat nicht Fleisch und Gebein, wie ihr seht, dass ich habe" (Lk 24,39)? Auch acht Tage später geschah etwas Ähnliches, als der Herr zu Thomas sagte: „Reiche deinen Finger her und sieh meine Hände, und reiche deine Hand her und lege sie in meine Seite, und sei nicht ungläubig, sondern gläubig" (Joh 20,27).

Ja, so nahe ist der Unendliche, der Allerhöchste, zu uns Menschen hingekommen! Gott kam in Seine eigene Schöpfung als Mensch, kam so nahe zu uns, dass Er sich uns offenbaren und für unsere Sünden sterben konnte. Das wird uns ewig zur Anbetung leiten.

Wenn hier drei Sinneswahrnehmungen (Hören, Sehen, Betasten) genannt werden, so geschieht das einerseits, um - entgegen den Ideen der Gnostiker - auf die Wirklichkeit der Menschheit Jesu hinzuweisen. Andererseits aber will der Heilige Geist dadurch auch hervorheben, wie geeignet der Schreiber ist, davon zu berichten.

Eine textliche Besonderheit

Doch sei noch, ehe wir diesen Vers verlassen, auf die unterschiedlichen Zeitformen im griechischen Text hingewiesen, die der Heilige Geist hier benutzt. Sie sind zweifellos nicht „zufällig" so gewählt. Auch sind es ja gerade die Zeitformen, die der griechischen Sprache so tiefe Ausdrucksmöglichkeiten verleihen. Die beiden ersten Teilsätze lauten:

„was wir gehört haben";
„was wir mit unseren Augen gesehen haben ".

Hier wird die Perfekt-Form verwendet. Die beiden nächsten Teilsätze haben dagegen die Aorist-Form, die wir zur Unterscheidung so wiedergeben können:

„was wir anschauten ";
„was unsere Hände betasteten ".


Wir können uns vorab als Regel merken: Die Perfekt-Form beschreibt im Griechischen die gegenwärtigen Folgen einer Handlung in der Vergangenheit. Sie gibt einen Zustand an, der schon in der Vergangenheit erreicht wurde und der noch andauert. Auch die Aorist-Form ist eine Vergangenheitsform; aber sie ist die typische Erzählform, mit ihr werden historische Vorgänge wiedergegeben.

In den beiden ersten Sätzen mit >haben< betont Johannes also die bleibenden Ergebnisse ihrer Erfahrungen. Das, was sie von Anfang an gesehen und gehört hatten, war auch dann noch so, als er von diesen Dingen schrieb. Das ist es, was hier durch die Perfekt-Formen ausgedrückt wird. Aber dann hebt er mit den AoristFormen die Bestimmtheit der Ereignisse hervor, die die Apostel im persönlichen Umgang mit dem Herrn erlebt hatten. Dazu dient die Aorist-Form. So haben wir zuerst sein Bestehen auf dem, was bleibt; und dann bestätigt er das alles dadurch, dass er historisch von der Vergangenheit berichtet. Oder anders ausgedrückt: Wir haben zuerst eine lehrmäßige und dann eine historische Feststellung.

Die Aussagekraft der unterschiedlichen griechischen Zeitformen ist gerade für die Auslegung des ersten Briefes des Johannes so wichtig. Ich bin deswegen gleich zu Anfang ein wenig näher darauf eingegangen. Wenn der Leser sich diese einfachen Bedeutungen der genannten Zeitformen ein wenig einprägen kann, besitzt er einen guten Schlüssel für das weitere Studium dieses Briefes und der Schrift überhaupt. Es mag und wird noch die eine oder andere Zeitform hinzukommen, aber das sind zuerst einmal die wichtigsten. Wo es angebracht erscheint, werde ich im Übrigen später diese Zeitformen in Klammen durch >Perf.< und >Aor.< kenntlich machen.

Um die beiden genannten Zeitformen noch etwas näher zu erläutern, sei noch ein Vers aus dem ersten Korintherbrief als Beispiel angeführt. Dort beschreibt ein anderer Schreiber, Paulus, den Inhalt des Evangeliums und sagt: „Denn ich habe euch zuerst überliefert, was ich auch empfangen habe: dass Christus für unsere Sünden gestorben ist (Aor.) nach den Schriften; und dass er begraben wurde (Aor.) und dass er auferweckt worden ist (Perf.) am dritten Tag nach den Schriften" (Kap. 15,3.4). Die heilsgeschichtlichen Tatsachen des Sterbens und des Begrabenwerdens Christi werden durch den Aorist ausgedrückt. Seine Auferweckung wird jedoch durch das Perfekt beschrieben, was so viel bedeutet wie: Er ist damals auferweckt worden, und Er ist noch immer in diesem Zustand; das heißt, Er lebt.

Doch kommen wir zu unserem Text zurück. Wir haben gesehen, dass das ewige Leben in dem Herrn Jesus auf der Erde seinen vollkommenen Ausdruck gefunden hat und dass es etwas Vollkommeneres, dass es eine darüber hinausgehende Offenbarung nicht geben kann. Angesichts der ständigen Bemühungen Satans, unseren Blick von Christus und der in Ihm offenbarten Wahrheit weg- und auf irgendetwas Neues hinzulenken, haben wir es immer wieder nötig, zu dem zurückzukehren, was wir „von Anfang an gehört" haben, damit es in uns „bleibt". Das macht nicht nur unsere Sicherheit, sondern auch unser Glück aus; denn so werden wir auch „in dem Sohn und in dem Vater bleiben" (1. Joh. 2,24).


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